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11. September 2001 - Die Fassungslosigkeit

Am 11. September 2001, um kurz nach 16 Uhr MEZ, habe ich etwas gesehen, das ich noch nie zuvor gesehen hatte: Der Sprecher der Tagesschau war sprachlos. Mehr noch - er war fassungslos. (Dabei war es doch ein Wickert, Ulrich!) Es war ein so außergewöhnlicher, ein so kostbarer weil einzig-artiger Moment, daß ich ihn hier festhalten und mitteilen muss Der Moment einer authentischen Kommunikation im Fernsehen. Und ich gesteh's besser gleich: Ich habe es genossen. Ja, genossen die Fassungslosigkeit. Ich weiß nicht, wem ich dafür dankbar sein soll, ich schiebe es mal Gott in die Schuhe und sage: Gott sei Dank, daß es so etwas noch gibt, so etwas wie authentische echte unverfälschte ungestellte ungeschminkte Kommunikation. Im Fernsehen. Nach einer Erschütterung eine erschütterte Nachrichtensendung zu erleben. Die sonst alles Weltgeschehen, Bilder Blitz Krieg Katastrophe Massaker und Kantersieg, Intrigen am Hofe mit derselben unerschütterlichen Ruhe und derselben ruhig artikulierten S...

Zur Intimgeschichte der Bundesrepublik - Heute: Uschi Obermaier und die K 1

Uschi Obermaier ist Deutschlands Antisexmuffel-Ikone shlechthin. In den furiosen Sechzigern hat sie's toll getrieben, mit dem anderen Rammelmaier, Rummeleier oder wie er hieß. Ja, der mit den langen Haaren. Uschi also undder Langobarde, Kommunarde...Mann, was eine Nummer! Ich war dabei, war Augen- und Ohrenzeuge von all das Gepimper. Naja, später ist das Usch dann älter geworden, da hat sie's hauptsächlich im Campingwagen getrieben. Auf'n Stellplatz. Auch unterwegs - On The Road. Immer noch heftig, das Gaspedal von den Antisexmuffel-Pimpernellis stand nie stille. Aber eben doch etwas leiser, nicht mehr so lautstark wie mit dem Rammelmaier, so mit "Aaaahh!" und "Oooohh!" und "Gib's mir!" und all dem Pipapo, das damals Deutschland zuerst sfchockiert und dann sexuell befreit hat auf Nimmerwiedersehen. Und davon ist das Usch eben die Ikone.. Und jetzt wird es 80. Und fängt an zu muffeln. Das Schlechthinnige bricht sich schlechthin Bahn. Intimge...

Longevity-Gequetschtes

Der neuste Vital-Trend: Thüringer Frauen leben deutlich länger als ihr männliches Pendant. Sie tun sich was in den Tee, aber keiner weiß, was es ist. Vielleicht ein Juckpulver? Jedenfalls ein Longevity-Stimulans. Es schlägt mit 5 Komma Siebenfünf und ´n paar Zerquetschte zu Buche. Das haben Statistiker herausgefunden. Und die finden alles heraus, was ihnen so vorschwebt. Das Zerquetschte sind Tage. Die zählen. Also wollen jetzt immer mehr Thüringer Männlein transgendern und dadurch zu Weibspersonen werden. Um eben diese 5 plus Zerquetschtes aus ihrem Leben zu pressen. Was fangen sie mit der überschüssigen Zeit an? Ich weiß es doch auch nicht, Leute! Wahrscheinlich schlagen sie sie tot. Lungern rum. Fahren mit ihrem Lifta die Treppe rauf & runter. Oder gehen bei Omas gegen Rechts mit. Alles Umwege zum Selbstmord, wie ein großer Philosoph zu sagen pflegte. Das habe ich herausgefunden. Und ich finde auch alles heraus, was mir so vorschwebt.

Eine wahre Weimarer Veranstaltungskalendergeschichte

Weimars Sinnschwengel kennen kein Erbarmen, in immer neuen Schüben versorgen sie Weimar mit Frischsinn und Geltung. Da wird aufgeladen, was die Fuhre hergibt. Zickezackezickezacke: Heu, Heu, Heu! Vorgestern erst, da warf sich am späten Nachmittag, gerade als ich maßvollen Schrittes zur Häppi Hour schreiten wollte, minne Frouwe ihr Ausgehjacket über und verkündete, nunmehr einen Vortrag besuchen zu wollen. ("Ein Professor war gestorben / der Verdienste sich erworben...") Er hatte nicht mehr können, nämlich sein letztes, sehr bedeutsames Werk der Öffentlichekti selber präsentieren. Ahem. Da setzt nun das Gedenken ein. Also riefen die Schwengel alle Mitglieder eines der zahlreichen Freundeskreise des Ach-so-wichtig zu einem Vortrag zusammen. Die kamen, taten mordsinteressiert und ließen nicht bloß die Laudatio, nein, auch die doch recht spezifizierten und in akurat verschachtelte Satzformationen gegossenen Spezialausführungen zu musiktheoretischen Überlegungen des Dahingschiede...

1. Mai - eine Eloge aus Weimar

Den 1 Mai feiern wir, minne Frouwe und ich, in Erinnerung an vergangene Freuden und Feste. Wir setzen uns auf den Balkon in die Sonne. Über uns im Geäst turnt und tönt der Zilpzalp. Die Mönchsgrasmücke ist auch da. Der Grünspecht meckert seine Strophe. Meine Frau erzählt mir - nicht zum ersten Mal - die Geschichten von den Maifeiern in Halle an der Saale. Wie sie alle zusammenströmen, die großen Werke VEB, die einzelnen Abteilungen. Die fröhliche Stimmung. Das Winken der Elemente. Ganz im Gegensatz zur offiziellen Nachwende-Geschichtsschreibung, da war nämlich alles gedrückt, gegängelt, missmutig - und so steht es ewig und drei Tage in den Schulbüchern. Ich höre zu. Dann kommt meine Strophe als 1. Maischluckspecht. Ich nehme den ersten Maischluck zu mir. Und was jetzt folgt, könnt ihr Zug um Zug zu euch nehmen. Bis die Flasche leer getrunken und die Geschichte leer erzählt ist. Das Maigefühl, Frau, ist zwar wie eh und je das saisonale Hochgefühl schlechthin, doch hat ein Pollenfluc...

Dem Lesch sein Kosmos! - Ein Psychogramm -

Dem Lesch, sagt man, sei der Kosmos zugeneigt. Und er der Allkundige. Er holt uns das Interstellare herunter, lädt es down, bringt es Downtown, in hintere Winkel. Wo oft - Gott sei's getrommelt - das Unwissen haust. Und wenn dann der Lesch kommt, will man es wissen. Das alles. Was vom Interstellaren gewusst werden kann: der Lesch hat's, er hat es auf der Pfanne (pan), das ist sein Panhändel, sein Pfannenstil. So händelt er die Welt ab. Kaum zu glauben, was alles der Fall ist. Aber nicht bloß dem Weltraum, auch dem Erdenboden wendet sich der Lesch zu. Und stößt dabei immer zum Kern vor, sei's nun eine Ausgrabung (was man Archäologie nennt), sei's eine Eingebung (was input heißt). Der Lesch ist Professor. Ein omnipräsenter Wanderprediger. Der größte seiner Art. Beim Brockhaus gab's früher den kleinen und den großen. Der kleine Brockhaus war für den kleinen, den mäßigen Wissensdurst. Vom Lesch gibt's nur den großen. Der Lesch ist ein Welterklärungs-Fürst. Er steht ...

Ostersegen 5, zu sprechen am Ostermontag

Ostern vorbei, Gottseidank! Erleichterung macht sich breit. Denn Ostern ist ein schweres Fest. Man muss so viel in sich reinfressen, verdauen, abscheiden. All das Verschleppte, das Mitgeschleppte von 2000 Jahren Christenheit. Und das Glaubenswissen, das doch eine gewisse Stabilität unter all den ächzenden und schwankenden Figuren verspricht, ist auch nicht eben weit verbreitet. Der Papst spricht kein Machtwort mehr. Jeder muss sehen, wie er mit seiner spirituellen Orientierung alleine zurechtkommt. Rings herum wird scharf geschossen. Beim Ostereiersuchen kannst du den Tod finden. Inmitten des Chaos ist nur auf eines Verlass: Die Reisewelle rollt. Na dann, liebe Mitidioten, wollen wir heute mal etwas ganz Idiotisches tun. Indem wir zu Kreuze kriechen, am besten zum nächsten Autobahnkreuze. Uns dort anpfählen, leiden und - alle Heimreisenden herzlich grüßen. Winke-winke! Auf ein Neues im nächsten >>Leben.

Ostersegen 4: Urbi et Orbi

Daß heute auf dem Petersplatz die Hölle los ist, darf man nicht nur nicht sagen: man darf es sich auch nicht ausmalen, ausdenken gar. Aber es ist dort allerhand los. Wat'n Jedränge. Erwartungsvoll die Stimmung, wenn der Papst in Erscheinung tritt und der ganzen Welt den Ostersegen spendiert. Der Vatikan hat sie lieb, die Welt, so viel steht fest. Und wir sollten sie auch liebhaben, egal ob papstgläubig oder nicht. Liebhaben wie Mama, Papa, wie das neue Elektroauto, den Schokohasen, den künstlichen Intelligenzbolzen, der alles zusammenhält, was früher ganz von alleine hieb- und stichfest, später sogar niet- und nagelfest war. Erst der Intelligenzbolzen macht das Heim zum Smarthome und seine Insassen zu Smartpeople. Habt sie lieb, diese Welt, eine andere steht nicht in Aussicht. Also schickt euch! Am besten schickt ihr euch per Express, mit einem himmlischen Kurier, El Papa, Hermes, Amazon, Angelus Novus. Und wie die Engel sonst noch heißen, die den neusten Kirchenglauben vor eurer S...

Ostersegen 3, zu spechen am Ostersamstag

Gebenedeit (mit vier salvierenden -e) auch die Ostermarschierer. Heute latschen sie wieder ihre Strecken gegen den kriegstatendurstigen Zeitenwendegeist ab. Der Land und Leute mit Wehrmacht, Drill und Drohne, Kampfanzug und Gleichschritt nervt. Der Krieg wird herbeibefohlen mit Schaum am Großmaul öffentlicher Redeweisen. Aufschäumend plätten dich Meinungen. Besorgnis wollen die Tonfälle erregen. Wir sehen von sich überzeugte Brusttöner der Standpunkte in Rechthaber- und Bescheidwisserposen. Wie sie reden, gestikulieren und - befehlen. Ein Kriegsgesinde, das sich in epileptischen Zuckungen auf dem Boden der Tatsachen windet und Mitwindung erheischt. In jeder Talkshow gibt es das auf Auge und Ohr, auf Herz und Verstand. Das meint nicht bloß - das will siegreich sein und bleiben. Das dröhnt Bimmbamm wie Kirchenglocken. Das ist so total wie totalitär. Das ist so schwer vernünftig wie schwer in Ordnung. Dagegen kannst du nur als Idiot bestehen. Die Latscherei der Ostermarschierer ist und bl...

Ostersegen 2: Zu sprechen am Karfreitag

Gebenedeit seien die Jesuslatschen, kaum einer trägt sie noch, außer im Urlaub am Strand - doch das hat wenig mit Jesus zu tun. Ihrer zu gedenken (und sie dabei zu be-denken), sollte ein Anliegen gerade des heutigen Feiertages sein. Der so still, beinahe lautlos vor sich hingeht. Man muss sie ja nicht gleich auf dieselbe Weise vergöttlichen wie das, was oben herum am Kreuze und mit dem Kreuze eine so imposante kirchliche wie staatstragende Bedeutung erlangt hat. Ach, wie fleißig da gefrömmelt wird, immer wieder, immer weiter. Gedenken wir also in aller Stille der Jesuslatschen. Und frömmeln dabei ein wenig. Jesuslatschen sind das Tretwerkzeug des Idioten, der immerzu von fleißigen Frömmlern gekreuzigt wird. Im Übrigen darf man gespannt sein, welches Schuhwerk unsere beflissenen Ostermarschierer dieses Jahr anlegen...

Fünf Ostersegen von El Papa Mag. Hülsebusch - Segen 1: Zu sprechen am Gründonnerstag

Gebenedeit sei die Straße von Hormus, sie ist die Reeperbahn der christlichen Seefahrt. Wat'n Jedränge! Alles giert auf Gefolgschaft. Damit noch mehr Gedränge herrsche. Wie Kerzen in stockdusteren Kirchenschiffen stehen Milizen vor den Etablissements der Gläubigkeiten, bereit alles zu filzen, was als Kiezgröße durchgehen möchte. Das macht Bumbum und Wummtata. Und wird doch Weltpolitik geheißen. Kiezgrößen streiten ums Ranking, was sonst. Sie gerieren sich als Politiker, Diplomaten, Zoroaster. Diese Kapitäne des Freien Welthandels. Wie sie den Schiffbruch erleiden. Das ist bemerkenswert, es erhält hier und heute einen Daumen hoch: Jau! Und ein Jaujau den Generalitäten, die Arsch an Arsch dahinterstehen.

Ein bedauerlicher Sport-Unfall

Lindsey Vonn schwebt davon. An einem langen Stahlseil unter dem Rettungshubschrauber, majestätisch vorbei an überragenden Alpengipfeln. Gerade hatte sie sich mit höchster Dynamik aus dem Starthüseken in den Hang gestürzt. Auf den zwei Brettern, die ihre Welt bedeuten. Gold holen, die Medaille. Doch der Hang hat zurückgeschlagen. Vielleicht hegte er eine Abneigung, der heimtückische Geselle. An der ersten Bodenwelle. Schwuppdiwupp - schon war's passiert. Zuerst abgehoben, schräg hoch durch die Luft mit Tempo 100. Nein, diese Fliehkraft! Dann gerutscht wie ein Stausack über die Piste talwärts. Endlich zum Erliegen gekommen. Unser Bergdoktor hat sie gerettet und an den Hubschrauber gekettet. Ab die Post. Besonders woke sah das nicht aus. Da ist allerhand gestürzt, das hat sie nun davonzutragen. Gute Besserung, Lindsey - und woke bald wieder up, das Hüseken wartet auf dich!

In der Pflicht

Die Schulpflicht muss man abschaffen. 250 Jahre Pestalozzi & Die Seinen laufen zuletzt auf das "Fuck you!"-Sagen einer Schuljugend hinaus, deren Bildungserfolg ein einziges großmäuliges "Fuck you!" ist. Es reicht! Die Schulpflicht gehört abgeschafft. Dagegen muss man die Helmpflicht ausweiten, auch auf Bereiche, in denen man sie bisher nicht für nötig erachtet hat. Als erstes auf sämtliche Sportarten, nicht bloß auf Turnen, Schwimmen, Tischtennis, Rhythmische Sportgymnastik, Leichtathletik - auf alle. Und auch in Einkaufszentren muss eine strenge Helmpflicht greifen. In Speisegaststätten sowieso. In der Werbung. Auch den Abgeordneten im Deutschen Bundestag stünden Helme gut zu Gesicht. Dagegen kann man die Gurtpflicht lockern. Und die Haftpflicht ganz einstellen.

Das neue Jahr fackelt nicht lange

Nach dem Feuer in Crans Montana hab' ich ein Ding rausgehauen, das eine Brücke schlägt zwischen dem Brand im Krefelder Affenhaus zu Silvester 2019 und dem Brand in der Diskothek. In Krefeld sind 30 Primaten verbrannt, in Crans 40 - naja, Primaten soll man sie nicht nennen, sie waren alle durch die Bank außergewöhnliche Menschen, denen der Papa und die Mama oft genug ihr "Du bist etwas ganz Besonderes!" ins Hirn geblasen haben. Das bekommen Affen nicht zu hören. Heute, zwei Tage später, haben die Diskotheken in Crans Montana schon wieder geöffnet und laden zum Après Ski unter dem Motto "Wir lassen hier nichts anbrennen!". Das Leben geht weiter und so. Die Feierlaune der Bagage ist ungebrochen. Feuer & Flamme bin ich wie der Trump sich den Maduro geschnappt hat. Ein echter Handstreich. Mit dem Casher! Als würde er einen Schmetterling jagen. Und dann piekst er ihn auf und steckt ihn in den Schaukasten. Wo er hingehört. Venezuela ein Vorhof der USA. Schönes ...

Neujahr ist Krieg

Die Feierlaune der Bagage kotzt mich an! Jede Silvesterparty - ob zigtausend unter Weltkrieg-III Lichtorgeln am Brandenburger Tor, oder ob zwanzig Feierwütige in den eigenen vier Wänden: jede Party ist eine Kriegspartei, schürt die Aggressivität, bereitet auf Schlachtfeldervor. Und ist bereits in ihrem Vollzug selbst ein Schlachtfeld geworden, auf dem ein Größter Partyfeldherr aller Zeiten den Ton angibt. Ein Johannes B. Kerner der Grinsebacken und zum Gebrüll aufgerissenen Mäuler. Die Bilanz der Bagage zur Silvesternacht kann sich sehen lassen. Nie in den jüngst vergangenen Jahren wurde so aggressiv geböllert. Die Europa mit Prophetenbärten heimsuchen, hätten ebenso gut ihre Kalaschnikoffkis abfeuern können. Tote in Diskotheken, eine brennene Kirche in Holland, Feuer in Erfurt, abbe Fingers, abbe Händs. Kracher, Lacher, Feierjunkies. Und ihre Rappelzappelmusik für den universalen Hüpf-Wackelkontakt. Das ist das verwahrloste Kanonenfutter Mensch zum Beginn des Jahres 2026. Die paa...

Das Drachenspiel

Donnerwetter! Die Nomenklatura hat an Beißwut zugelegt, die Reichweite ihrer Rede ist enorm, die Feuerkraft absolut tödlich. Über allen Häuptern - gekrönt, behütet, gesalbt, dotiert - schwirren Worte mit großer Durchschlagskraft. Drohnen einer ständigen, Krach erzeugenden Bedrohung. Jeder Smart-Phonetiker wird zum Pistolero, der an einem Schießprügel fingert. Überhaupt bildet das Schießeisen die freie Meinungsäußerung aller. Jede Redaktionsstube ist eine Waffenschmiede für sich. Die Latrinen der kasernierten Welt können übler nicht stinken als dieses teure Meinungsparfüm, das eindieselt, was sich für weltklug hält. So duftet die Hölle, und was Meinungsmacher zuerst fahren lassen, ist nicht Hoffnung, es ist Schwefel. Die Affenbande am Dschungelrand aber tobt, tanzt, bleckt die Hauer und brüllt: Wir wollen endlich zubeißen! Merke: Jeder Schwachkopf lässt Worte steigen, die stärker sind als er (oder sie). Das ist das Drachenspiel. Es geht darum, Eindruck zu schinden auf Teufel-komm-raus...

Drohnen am Himmel über uns!

So lautet der neuste Hit. Laut schlägt er ein, schlägt zu, schlägt zurück, schwallt. Und löst hyperintensives Geschrei aus. Wie die Funk-Band, Funkenschlägerbande. Oder wie das musikalische Gezucke heißt, das - dem Drohnenzustand ähnlich - auch hyperintensives Geschrei auslöst. Überhaupt ist das Hyperintensive angesagt - nein, nicht angesagt, angebrüllt ist es. Fakt ist (und nicht Fake): Drohnen am Himmel über uns sind das Gezucke der Stunde. Früher klang dem willigen Zuhörer eine Melodie: Und der Himmel hängt voller Geigen. Irgendein Willi Schneider oder Peter Alexander hat das Lied gesungen. Jetzo hängt der Himmel voller Drohnen. Drohnen sind jetzt dort, wo eben noch Drogen waren: in aller Willigen Munde. Schnulzen, Bonmots, Koks, politische und religiöse Heilslehren, Staatsräsonnements, Wehrkraft und Muckibuden. Allerlei Haschmichpfeifen versprechen: "Haschmich, ich bin die bessere Welt!" Präsidenten, Minister, Staatsleute - alle Ministranten der himmlischen Hackordnung...

Drei Kurze zum Tag der Deutschen Einheit

1 Wenn gesalbte Redner heute wieder das Wort ergreifen, um ihr Ergriffensein vom eigenen Wort in die Menge zu tragen, sei daran erinnert, daß es tatsächlich nur drei Erzählungen gibt, die unerschütterlich feststehen. Erstens: In München steht ein Hofbräuhaus. Zweitens: In Berlin steht eine Brandmauer. Drittens: Vor der Kaserne steht Lilli Marleen und teilt den Wehrhaften frischen Wehrmut zu. 2 In der DDR gab´s keine Nagelknipser. Wer Wurstfinger hatte, die nicht in die Nagelscherchen reinpassen wollten, wurde zum Nägelbeißer. Viele DDR-Lebenskünstler waren sogar imstande, sich ihre Zehen in den Mund zu stecken, um die Fußnägel kurzzuknabbern. Kleingärtner griffen auch zu Strauch- und Heckenscheren. Dabei ging allerdings manche Fingerspitze mit ab. Zuletzt fehlte der DDR komplett das Fingerspitzengefühl, das die Bundesrepublik so reich auf ihrer Seite wusste. Der Osten musste aufgeben. 3 Norbert Müller, begnadeter Komponist der Evergreens "Lilli Marleen","Führer befiehl...

Unser National-Bodo

Bodo Ramelow weiß sich lieb Kind zu machen. Er hat schon als Landesvater von Thüringen den Kleinen reichlich Zucker in den Arsch geblasen und ihnen einen Kinderfeiertag geschenkt. Jetzt tritt er mit der Forderung nach einer neuen und endlich kindergerechten Nationalhymne ins gepamperte Rampenlicht: "Backe, backe Kuchen / der Bodo hat gerufen. Wer will schönen Kuchen machen / der muss haben sieben Sachen." Nach der bekannten Melodie. Die Nationalflagge kann gleich mit erneuert werden. Statt der extrem langweiligen Farbgebung Schwarz-Rot-Gold soll sie alle sieben Sachen zeigen, die Wänster heute im Kindergarten brauchen: Schäufelchen, Plastikeimerchen, Kuchenförmchen, Handy, ein Wehr-Messerchen gegen das Totalböse, die Tröte. Sowie einen Schnuller, um ohne Geschrei die Tagesschau im Fernsehen anzustarren. Die neue Deutschland-Fahne ist in schweinchenrosa gehalten, die Siebensachen darauf in bunt. Wo immer sie gehisst und die neue Hymne dazu gesungen wird, können sich Landeskind...

Frauenfußball EM: Romantik dahin...

Frauenfußball ist eine Betriebssportart, hervorgegangen aus dem Frauen-Emanzipationsbetrieb. Eine rastlose Betriebsamkeit ist das. Die alten Zöpfe sind längst gefallen. Die Mädels, die heute den Frauenfußball vortragen - um nicht zu sagen: beherrschen -, lassen modische Pferdeschwänze hin & her fliegen. So heftig, daß man liebend gerne zupacken, reingreifen würde, um sie aufzuhalten, bevor sie auf & davonrennen. Doch das zieht eine Rote Karte nach sich. Und im Strafraum: Elfmeter. Selten sieht man in einem Frauenfußballspiel noch den gedrechselten Zopf. Manchmal sieht man den festen Knoten. Der beim Kampf um den Ball nicht so furchtbar hin und herschwingen kann. Rasta und Löwenmähnen treten gelegentlich in Erscheinung. Das ist wild, und es fällt besonders im Zweikampf sowie beim anschließenden Wälzen am Boden ins Auge. Während des Spiels ist eine ruhige Betrachtung der Frauenfußballfrisuren fast nur bei Einwürfen von der Seitenauslinie möglich. Schade eigentliich. Früher sc...