1. Mai - eine Eloge aus Weimar
Den 1 Mai feiern wir, minne Frouwe und ich, in Erinnerung an vergangene Freuden und Feste. Wir setzen uns auf den Balkon in die Sonne. Über uns im Geäst turnt und tönt der Zilpzalp. Die Mönchsgrasmücke ist auch da. Der Grünspecht meckert seine Strophe. Meine Frau erzählt mir - nicht zum ersten Mal - die Geschichten von den Maifeiern in Halle an der Saale. Wie sie alle zusammenströmen, die großen Werke VEB, die einzelnen Abteilungen. Die fröhliche Stimmung. Das Winken der Elemente. Ganz im Gegensatz zur offiziellen Nachwende-Geschichtsschreibung, da war nämlich alles gedrückt, gegängelt, missmutig - und so steht es ewig und drei Tage in den Schulbüchern. Ich höre zu. Dann kommt meine Strophe als 1. Maischluckspecht. Ich nehme den ersten Maischluck zu mir. Und was jetzt folgt, könnt ihr Zug um Zug zu euch nehmen. Bis die Flasche leer getrunken und die Geschichte leer erzählt ist. Das Maigefühl, Frau, ist zwar wie eh und je das saisonale Hochgefühl schlechthin, doch hat ein Pollenfluc...