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Das Drachenspiel

Donnerwetter! Die Nomenklatura hat an Beißwut zugelegt, die Reichweite ihrer Rede ist enorm, die Feuerkraft absolut tödlich. Über allen Häuptern - gekrönt, behütet, gesalbt, dotiert - schwirren Worte mit großer Durchschlagskraft. Drohnen einer ständigen, Krach erzeugenden Bedrohung. Jeder Smart-Phonetiker wird zum Pistolero, der an einem Schießprügel fingert. Überhaupt bildet das Schießeisen die freie Meinungsäußerung aller. Jede Redaktionsstube ist eine Waffenschmiede für sich. Die Latrinen der kasernierten Welt können übler nicht stinken als dieses teure Meinungsparfüm, das eindieselt, was sich für weltklug hält. So duftet die Hölle, und was Meinungsmacher zuerst fahren lassen, ist nicht Hoffnung, es ist Schwefel. Die Affenbande am Dschungelrand aber tobt, tanzt, bleckt die Hauer und brüllt: Wir wollen endlich zubeißen! Merke: Jeder Schwachkopf lässt Worte steigen, die stärker sind als er (oder sie). Das ist das Drachenspiel. Es geht darum, Eindruck zu schinden auf Teufel-komm-raus...

Drohnen am Himmel über uns!

So lautet der neuste Hit. Laut schlägt er ein, schlägt zu, schlägt zurück, schwallt. Und löst hyperintensives Geschrei aus. Wie die Funk-Band, Funkenschlägerbande. Oder wie das musikalische Gezucke heißt, das - dem Drohnenzustand ähnlich - auch hyperintensives Geschrei auslöst. Überhaupt ist das Hyperintensive angesagt - nein, nicht angesagt, angebrüllt ist es. Fakt ist (und nicht Fake): Drohnen am Himmel über uns sind das Gezucke der Stunde. Früher klang dem willigen Zuhörer eine Melodie: Und der Himmel hängt voller Geigen. Irgendein Willi Schneider oder Peter Alexander hat das Lied gesungen. Jetzo hängt der Himmel voller Drohnen. Drohnen sind jetzt dort, wo eben noch Drogen waren: in aller Willigen Munde. Schnulzen, Bonmots, Koks, politische und religiöse Heilslehren, Staatsräsonnements, Wehrkraft und Muckibuden. Allerlei Haschmichpfeifen versprechen: "Haschmich, ich bin die bessere Welt!" Präsidenten, Minister, Staatsleute - alle Ministranten der himmlischen Hackordnung...

Drei Kurze zum Tag der Deutschen Einheit

1 Wenn gesalbte Redner heute wieder das Wort ergreifen, um ihr Ergriffensein vom eigenen Wort in die Menge zu tragen, sei daran erinnert, daß es tatsächlich nur drei Erzählungen gibt, die unerschütterlich feststehen. Erstens: In München steht ein Hofbräuhaus. Zweitens: In Berlin steht eine Brandmauer. Drittens: Vor der Kaserne steht Lilli Marleen und teilt den Wehrhaften frischen Wehrmut zu. 2 In der DDR gab´s keine Nagelknipser. Wer Wurstfinger hatte, die nicht in die Nagelscherchen reinpassen wollten, wurde zum Nägelbeißer. Viele DDR-Lebenskünstler waren sogar imstande, sich ihre Zehen in den Mund zu stecken, um die Fußnägel kurzzuknabbern. Kleingärtner griffen auch zu Strauch- und Heckenscheren. Dabei ging allerdings manche Fingerspitze mit ab. Zuletzt fehlte der DDR komplett das Fingerspitzengefühl, das die Bundesrepublik so reich auf ihrer Seite wusste. Der Osten musste aufgeben. 3 Norbert Müller, begnadeter Komponist der Evergreens "Lilli Marleen","Führer befiehl...

Unser National-Bodo

Bodo Ramelow weiß sich lieb Kind zu machen. Er hat schon als Landesvater von Thüringen den Kleinen reichlich Zucker in den Arsch geblasen und ihnen einen Kinderfeiertag geschenkt. Jetzt tritt er mit der Forderung nach einer neuen und endlich kindergerechten Nationalhymne ins gepamperte Rampenlicht: "Backe, backe Kuchen / der Bodo hat gerufen. Wer will schönen Kuchen machen / der muss haben sieben Sachen." Nach der bekannten Melodie. Die Nationalflagge kann gleich mit erneuert werden. Statt der extrem langweiligen Farbgebung Schwarz-Rot-Gold soll sie alle sieben Sachen zeigen, die Wänster heute im Kindergarten brauchen: Schäufelchen, Plastikeimerchen, Kuchenförmchen, Handy, ein Wehr-Messerchen gegen das Totalböse, die Tröte. Sowie einen Schnuller, um ohne Geschrei die Tagesschau im Fernsehen anzustarren. Die neue Deutschland-Fahne ist in schweinchenrosa gehalten, die Siebensachen darauf in bunt. Wo immer sie gehisst und die neue Hymne dazu gesungen wird, können sich Landeskind...

Frauenfußball EM: Romantik dahin...

Frauenfußball ist eine Betriebssportart, hervorgegangen aus dem Frauen-Emanzipationsbetrieb. Eine rastlose Betriebsamkeit ist das. Die alten Zöpfe sind längst gefallen. Die Mädels, die heute den Frauenfußball vortragen - um nicht zu sagen: beherrschen -, lassen modische Pferdeschwänze hin & her fliegen. So heftig, daß man liebend gerne zupacken, reingreifen würde, um sie aufzuhalten, bevor sie auf & davonrennen. Doch das zieht eine Rote Karte nach sich. Und im Strafraum: Elfmeter. Selten sieht man in einem Frauenfußballspiel noch den gedrechselten Zopf. Manchmal sieht man den festen Knoten. Der beim Kampf um den Ball nicht so furchtbar hin und herschwingen kann. Rasta und Löwenmähnen treten gelegentlich in Erscheinung. Das ist wild, und es fällt besonders im Zweikampf sowie beim anschließenden Wälzen am Boden ins Auge. Während des Spiels ist eine ruhige Betrachtung der Frauenfußballfrisuren fast nur bei Einwürfen von der Seitenauslinie möglich. Schade eigentliich. Früher sc...

Nazijagdszenen aus Niederduttland

Gestern im Fernsehen: ein Enkelkind von Omas gegen Rechts steht mit einem Schild am Straßenrand, darauf die Parole "Nazis töten". - Gebt mir eine Flitsche und ich schieße diesem Doppeldeutling durch den Kopf. Mit solcher Durchschlagskraft, daß mein Stahlmantelschmähmund seine Großmütterchen mit von den Beinen pustet. Diese altertümelnden Duttweiler. Die nichts behaupten als sich selbst. So endet wohl jeder herrschaftsfreie Dialog. In einer Jagdszene auf seinesgleichen.

Das Fräulein Thunberg

An dem Fräulein kann ich nichts, aber auch garnichts finden. Dabei suche ich doch, suche an ihr etwas, das ich gut finden kann. Vielleicht, daß sie eine Windsbraut wäre, die... Pünktchen, Pünktchen, etwa in Windeseile das Fähnchen im Wind hat, um mit dem vollen Zungensegel unter Zeitgeistbrausen übers Meer zu jollen. Und dann, ach was! Das lässt sich gut finden, also finden viele Leute, vor allem junge, es gut und folgen ihr, wenn nicht in Jollen, so doch in Youtube. Wo manche Pertubation strandet als sei's das gelobte Land. Bin ich jetzt noch, mit diesen arg altertümelnden Spinnsegelsätzen, dem Fräulein auf den Versen zu dem Reim, den sie sich auf die Welt dort draußen an nahöstlichen Gestaden gemacht hat? Folge ich ihr denn nicht auf dem Fuße? Was für ein Versfuß ist das, dieses Krakeel in Social Media wie im ausufernden Rest des gottverdammten Redebogens? Hinterlässt es Spuren? Soll ich es zur Abwechselung einmal ernstnehmen? Oder lieber hopps? Ach was, es ist bloß ein trotzig...