Heldengedenktag II
JFK
Ja, und dann hammse ihn erschossen. Also jetzt nicht den Strampler, Heinz Helfgen, nein, den bummsfidelen JFK. Erschossen. Vor genau sechzig Jahren. Die Schockwellen ergriffen auch unsere Klasse in der friedlichen Albert-Schweitzer-Schule, oben an der Bismarck-Säule, am Ende der Kaiseralle. Man wurde damals erst mit einundzwanzig vollmundig. Stellung beziehen, so wie es heute Schülerinnen, Schüler ganz cool, ganz telegen vor Mikrofonen tun, konnte damals niemand von uns, nicht mal stottern. Die Mädchen schluchzten, naja, nicht so dramatisch, doch ich glaubte es vernehmen zu sollen. Wir Jungen setzten die betretene Miene auf, das konnten wir schon. Der Erdkundelehrer half, die Lage zu erklären. Bei Heinz Helfgen hatte ich einen ersten eigenen Blick ins Globale geworfen, ich wusste daher, wie gemein Räuber, Tiger, Kommunisten sein konnten. So war's, ein durchgeknallter Kommunist hatte JFK ermordet, das stand bald fest. Da war was mit Kuba, Fidel Castro, mit Mafia, Chicago, Gewerkschaften, Stimmenkauf durch den Herrn Papa ("Ich kaufe meinem Sohn das Weiße Haus, hoho!"). Aber das kam erst zwanzig Jahre später ans Licht, in die Lichtspielhäuser, in die Literatur. Heute muss man die Romane von Don De Lillo, James Ellroy und anderen gelesen haben, um sich vom Ausmaß dieser himmelschreienden Sauerei ein Bild machen zu können. Der amerikanische Thriller. Damals blieb alles im Pubertären und kam wie ein Pickel aus dr Haut. Das ging vorbei. Amerika war so frei, so tapfer, so stark auf der richtigen Seite, auf der westlichen, auf unserer. Da schoss kein Lee Harvey Oswald einen Faden von ab.
Drei Kurze zum Tag der Deutschen Einheit
1 Wenn gesalbte Redner heute wieder das Wort ergreifen, um ihr Ergriffensein vom eigenen Wort in die Menge zu tragen, sei daran erinnert, daß es tatsächlich nur drei Erzählungen gibt, die unerschütterlich feststehen. Erstens: In München steht ein Hofbräuhaus. Zweitens: In Berlin steht eine Brandmauer. Drittens: Vor der Kaserne steht Lilli Marleen und teilt den Wehrhaften frischen Wehrmut zu. 2 In der DDR gab´s keine Nagelknipser. Wer Wurstfinger hatte, die nicht in die Nagelscherchen reinpassen wollten, wurde zum Nägelbeißer. Viele DDR-Lebenskünstler waren sogar imstande, sich ihre Zehen in den Mund zu stecken, um die Fußnägel kurzzuknabbern. Kleingärtner griffen auch zu Strauch- und Heckenscheren. Dabei ging allerdings manche Fingerspitze mit ab. Zuletzt fehlte der DDR komplett das Fingerspitzengefühl, das die Bundesrepublik so reich auf ihrer Seite wusste. Der Osten musste aufgeben. 3 Norbert Müller, begnadeter Komponist der Evergreens "Lilli Marleen","Führer befiehl...
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