Weimare Verhältnisse II
Wie der Hund apportiert
Brav wie ein Hund, der Stöckchen apportiert, bringt Weimar mich zurück auf das Vaterländische Feld, das ich so gerne überfliege und hinter mir lasse. Bringt mich zurück, legt mich ab, einfach so, da!hin. Zu Füßen von Herrchen und Frauchen, die wie Denkmäler einer Dressur dastehen. Diese Denkmalpose der Weimarer Herrschaften. Die Poseure präsentieren neuerdings nicht bloß Geschichten und Erinnerungen an das, was hier mal los war, nämlich die Hölle in all ihrer Vielfalt. Das ist ihnen nicht genug, sie ziehen auch noch Lehren. Und propagieren sie dann. Sie hauen dir Lektionen von "gelebter" bis "wehrhafter" Demokratie um die Ohren. Lektionen, die sich gewaschen haben, also blitzsauber sind. Mögen deine Ohren auch gerne abstehen, im Freien segeln, ungewaschen, ungerichtet, der Stimme keines Herrn verpflichtet: No Masters Voice. Die Herrschaften meinen es bitter ernst mit ihren Lektionen. Du wirst genötigt, hinzuhören.
In Weimar hat es vor ein paar Tagen eine Demonstration gegen Rechts gegeben. Das steht jetzt nach den Bauernprotesten auf der Demonstrations-Agenda ganz obenan. "Die Welt ist bunt, und unsere Stadt soll sauber bleiben." So lässt sich die Grundstimmung der Saubermann-Demokraten zusammenfassen. Daß da etwas gesäubert, am besten weg-, hibausgesäubert werden musd, ist klar. So klar wie Thüringer Kloßbrühe.
Und dann hat die Präsidentin der Weimarer Klassik Stiftung auch ein Stöckchen geworfen. Jetzt bin ich mal der Hund und bringe es zurück. Die Präsidentin sagt in ausgesprochen profilneurotischer Ausdrucksweise: "Gleichzeitig sind wir natürlich Produzenten von Vielfalt und Freiheit."
O Mann, was war ich verstockt, als ich es hörte. Flink wie ein Windhund bin ich gesprungen. Ich war nicht mal so sehr auf dieses "Wir" erpicht. Aber daß sie ganz selbstverständlich ihr Selbstverständnis mit "natürlich" angibt, hat mich schon auf Trab gebracht. Wir produzieren also Vielfalt. Welch ein kategorischer Beschiss! Und die da, produzieren keine Vielfalt, nur kackbraune Haufen auf "unserem" glorreichen Bürgersteig. Vielfalt als Produkt und Design. Freiheit als Designer-Produktion. Was war ich angefressen.
Und dann kommt auch noch Weimars Erinnerungskulturmufti. Der Präsident vom Buchenwald-Erinnerungsverein. Sitzt da auf einem Stuhl und spricht über Shoa. Hält sich selbst das Mikrofon vor den Mund. Und hat ein Bein übers andere geschlagen! So lässig, so souverän. Ich denke noch: Wie kann man vom Verfeuern sprechen und dabei die Beine übereinanderschlagen. Sich lässig zurücklehnen. Demonstrativ wissen, was Sache ist. Lektion erteilen. Haltungsnote 6 hab' ich ihm gegeben. Und das Stöckchen liegen lassen.
Ach ja, er sagte: "Für die Shoa gibt es keinen Vergleich." Und das heißt kloßklar: Deutschland ist und bleibt Weltmeister im Vergasen, Verbrennen, Vernichten von Juden. So wird ein Ranking festgelegt. Rangfolgen. Ich finde das zum Kotzen. Es verweist Gulag, Killing Fields und und und auf zweite, dritte Plätze in einem Wettkampf von Vernichtungs-Produzenten.
Dadurch wird das Hamas-Massaker vom 7. Oktober, dieser Angriff auf die Lebensweise Israel, die unser aller westliche Lebensweise ist, zu einem bedauerlichen Ferner-Liefen gemacht. Das ist eine Schande. Geht es um Größenordnung? Sind dreihundert, sechshundert Massakrierte weniger oder nichts im Vergleich zu sechs Millionen.
Mir ist der verbohrte Tunnelblick dieser "Freiheit für Palästina!"-Produzenten so zuwider...
Drei Kurze zum Tag der Deutschen Einheit
1 Wenn gesalbte Redner heute wieder das Wort ergreifen, um ihr Ergriffensein vom eigenen Wort in die Menge zu tragen, sei daran erinnert, daß es tatsächlich nur drei Erzählungen gibt, die unerschütterlich feststehen. Erstens: In München steht ein Hofbräuhaus. Zweitens: In Berlin steht eine Brandmauer. Drittens: Vor der Kaserne steht Lilli Marleen und teilt den Wehrhaften frischen Wehrmut zu. 2 In der DDR gab´s keine Nagelknipser. Wer Wurstfinger hatte, die nicht in die Nagelscherchen reinpassen wollten, wurde zum Nägelbeißer. Viele DDR-Lebenskünstler waren sogar imstande, sich ihre Zehen in den Mund zu stecken, um die Fußnägel kurzzuknabbern. Kleingärtner griffen auch zu Strauch- und Heckenscheren. Dabei ging allerdings manche Fingerspitze mit ab. Zuletzt fehlte der DDR komplett das Fingerspitzengefühl, das die Bundesrepublik so reich auf ihrer Seite wusste. Der Osten musste aufgeben. 3 Norbert Müller, begnadeter Komponist der Evergreens "Lilli Marleen","Führer befiehl...
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