Tunnelblick
Zu Beginn der 1990er Jahre war ich drei, vier Wochen auf dem Ho Chi Minh Pfad in Vietnam unterwegs. Es ist ein alter Kriegspfad, hnd er reicht zurück in meine Jungsteinzeit. Als ich noch ein aufgebrachter Freiheitskämpfer war und auf Sieg im Volkskrieg setzte. Das war die Parole. Sieg im Volkskrieg, mit dem aufgebrachten Zeichen einer Manifestation hintendran. Zwanzig Jahre später war ich da. Und da bin ich in die Tunnel von Cu Chi gestiegen, draußen im Umland von Saigon. Die Tunnel waren Kriegstunnel, ein ausgeklügeltes System, weitläufig, doch eben nicht läufig, sondern kriecherisch, affig, eher ein Käfig als ein Stück Freiheit. Auf allen Vieren jedenfalls, anders ging's da nicht voran. Höllische Kriecherei. Als ich reingestiegen war, gab's kein Zurück mehr, ich musste immer weiter vorwärts kriechen.
Ich kroch hinter ein paar Japsen her. Und die krochen hinter einem Vorkriecher her. Der Vorkriecher hatte den Tunnelblick. Das muss wohl der Durchblick gewesen sein. Ein Durchbruch war's nicht, es blieb lange, lange Zeit dunkel, staubig, stickig. Hinter mir krochen wiederum Japsen, ein Bursche, zwei, drei Mädels, und die fingen mit einem Mal an zu kichern. Ich dachte noch, was gibt's denn hier in der Hölle zu kichern, dann kamen wir zu einem Aufenthaltsraum, da konnte man sich halbwegs aufrichten, bevor es in die nächste Röhre ging. An der Wand eine Tafel, Kreide, Karten. Die Japsen kicherten weiter. Also, das ist doch... o je!
Mir schoss Verlegenheit ins Gesicht. Beim Kriechen war mir die Hosennaht am Hintern aufgeplatzt, es war ja keine derbe Kampfhose, nur eine Sommerhose, mit der ich mich durch den Dschungel und die Erinnerungen schlagen wollte. Die Japsen hatten hatten beim Kriechen die ganze Röhre lang mein rotbehostes Arschgesicht vor Augen gehabt. Es muss ihnen wie der Rotarsch eines Pavians erschienen sein.
Ich ließ sie alle vor mir in die nächste Röhre krabbeln. Doch hinter mir kroch noch ein Schlusskriecher, ein weiterer örtlicher Führer. Damit niemand zurückbleiben und sich unter Tage einen schönen Tag machen konnte. Der Hinterherkriecher kicherte nicht. Warum nicht? Weil er das einzige Schlusslicht war, alleine, da war keiner, den er mit Kichern anstecken konnte.
Später hab' ich den Fahrer gebeten, bei einem Schneider am Wege zu halten. Der Schneider hockte in einem Bambusunterstand an einer Nähmaschine, die mir französisch vorkam, uralt, so wie die kleinen schwarzen Renault-Taxis in Saigon. Im Nu war die Hose genäht, ich bin derweil im Auto geblieben. Wollte nicht in meiner roten Unterhose verlegen am Straßenrand stehen.
Naja, mein Sieg im Volkskrieg und so ist jedenfalls voll in die Hose gegangen.
Dem Lesch sein Kosmos! - Ein Psychogramm -
Dem Lesch, sagt man, sei der Kosmos zugeneigt. Und er der Allkundige. Er holt uns das Interstellare herunter, lädt es down, bringt es Downtown, in hintere Winkel. Wo oft - Gott sei's getrommelt - das Unwissen haust. Und wenn dann der Lesch kommt, will man es wissen. Das alles. Was vom Interstellaren gewusst werden kann: der Lesch hat's, er hat es auf der Pfanne (pan), das ist sein Panhändel, sein Pfannenstil. So händelt er die Welt ab. Kaum zu glauben, was alles der Fall ist. Aber nicht bloß dem Weltraum, auch dem Erdenboden wendet sich der Lesch zu. Und stößt dabei immer zum Kern vor, sei's nun eine Ausgrabung (was man Archäologie nennt), sei's eine Eingebung (was input heißt). Der Lesch ist Professor. Ein omnipräsenter Wanderprediger. Der größte seiner Art. Beim Brockhaus gab's früher den kleinen und den großen. Der kleine Brockhaus war für den kleinen, den mäßigen Wissensdurst. Vom Lesch gibt's nur den großen. Der Lesch ist ein Welterklärungs-Fürst. Er steht ...
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