Posts

Es werden Posts vom Oktober, 2025 angezeigt.

Das Drachenspiel

Donnerwetter! Die Nomenklatura hat an Beißwut zugelegt, die Reichweite ihrer Rede ist enorm, die Feuerkraft absolut tödlich. Über allen Häuptern - gekrönt, behütet, gesalbt, dotiert - schwirren Worte mit großer Durchschlagskraft. Drohnen einer ständigen, Krach erzeugenden Bedrohung. Jeder Smart-Phonetiker wird zum Pistolero, der an einem Schießprügel fingert. Überhaupt bildet das Schießeisen die freie Meinungsäußerung aller. Jede Redaktionsstube ist eine Waffenschmiede für sich. Die Latrinen der kasernierten Welt können übler nicht stinken als dieses teure Meinungsparfüm, das eindieselt, was sich für weltklug hält. So duftet die Hölle, und was Meinungsmacher zuerst fahren lassen, ist nicht Hoffnung, es ist Schwefel. Die Affenbande am Dschungelrand aber tobt, tanzt, bleckt die Hauer und brüllt: Wir wollen endlich zubeißen! Merke: Jeder Schwachkopf lässt Worte steigen, die stärker sind als er (oder sie). Das ist das Drachenspiel. Es geht darum, Eindruck zu schinden auf Teufel-komm-raus...

Drohnen am Himmel über uns!

So lautet der neuste Hit. Laut schlägt er ein, schlägt zu, schlägt zurück, schwallt. Und löst hyperintensives Geschrei aus. Wie die Funk-Band, Funkenschlägerbande. Oder wie das musikalische Gezucke heißt, das - dem Drohnenzustand ähnlich - auch hyperintensives Geschrei auslöst. Überhaupt ist das Hyperintensive angesagt - nein, nicht angesagt, angebrüllt ist es. Fakt ist (und nicht Fake): Drohnen am Himmel über uns sind das Gezucke der Stunde. Früher klang dem willigen Zuhörer eine Melodie: Und der Himmel hängt voller Geigen. Irgendein Willi Schneider oder Peter Alexander hat das Lied gesungen. Jetzo hängt der Himmel voller Drohnen. Drohnen sind jetzt dort, wo eben noch Drogen waren: in aller Willigen Munde. Schnulzen, Bonmots, Koks, politische und religiöse Heilslehren, Staatsräsonnements, Wehrkraft und Muckibuden. Allerlei Haschmichpfeifen versprechen: "Haschmich, ich bin die bessere Welt!" Präsidenten, Minister, Staatsleute - alle Ministranten der himmlischen Hackordnung...

Drei Kurze zum Tag der Deutschen Einheit

1 Wenn gesalbte Redner heute wieder das Wort ergreifen, um ihr Ergriffensein vom eigenen Wort in die Menge zu tragen, sei daran erinnert, daß es tatsächlich nur drei Erzählungen gibt, die unerschütterlich feststehen. Erstens: In München steht ein Hofbräuhaus. Zweitens: In Berlin steht eine Brandmauer. Drittens: Vor der Kaserne steht Lilli Marleen und teilt den Wehrhaften frischen Wehrmut zu. 2 In der DDR gab´s keine Nagelknipser. Wer Wurstfinger hatte, die nicht in die Nagelscherchen reinpassen wollten, wurde zum Nägelbeißer. Viele DDR-Lebenskünstler waren sogar imstande, sich ihre Zehen in den Mund zu stecken, um die Fußnägel kurzzuknabbern. Kleingärtner griffen auch zu Strauch- und Heckenscheren. Dabei ging allerdings manche Fingerspitze mit ab. Zuletzt fehlte der DDR komplett das Fingerspitzengefühl, das die Bundesrepublik so reich auf ihrer Seite wusste. Der Osten musste aufgeben. 3 Norbert Müller, begnadeter Komponist der Evergreens "Lilli Marleen","Führer befiehl...